Friday, October 08, 2004

Nach Washington und zurueck...

Ich war fuer zwei Tage in Washington, beruflich und nicht privat, um das Forschungszentrum des USHMM kennenzulernen. Und da erstaunlicherweise der Flug billiger war als der Zug (hin und zurueck fuer unter 100 Dollar) bin ich geflogen. Die Anfahrt vom und zum Flughafen dauert ungefaehr genau so lang, wenn nicht noch laenger als der Flug, was schon fast ironisch wirkt.
Doch nicht nur das, meine Rueckreise nahm auch ungewollte, und vor allem komplizierte Wendungen an. Da man in Amerika ja nicht mehr zu Schalter geht und sein Ticket vorweist, sondern nur noch E-Tickets hat, dass heisst im Internet seinen Flugschein kauft und ihn am Automaten ausdruckt, hat man normalerweise keinen Kontakt zu Menschen. Alles laeuft ueber Computer ab. Doch das ganze System funktioniert nicht, wenn man keine amerikanische Kreditkarte hat, die einem einen Namen und eine Identitaet geben. Meine deutsche Kreditkarte war am Automaten unleserlich und daher musste ich zum Schalter gehen. Als sich nach der "driver's license" gefragt wurde (es gibt in den USA keinen Personalausweis und der Fuehrerschein ist deshalb der Ersatz und primaeres Ausweisdokument) zeigte ich also meinen deutschen Fuehrerschein vor und bekam ein verwundertes "what is this?" als Antwort. So was hatte sie noch nie gesehen. Auch mit meinem Personalausweis konnte sie nichts anfangen. Es wurde also ein Sicherheitsbeauftragter zur Hilfe geholt, und nun wurde alles schlimmer.
"Where are you from?" fragte mich der Mann in Uniform. "Germany," entgegnete ich, und er fragte mich nach meinem Visum.
- Ist in meinem Reisepass.
- Und wo ist der.
- In New York.
- Warum?
- Weil ich dort lebe.
- Allein?
- Nein, mit meiner Frau.
- Ist sie Amerikanerin?
- Ja.
- Haben Sie eine Greencard?
- Noch nicht. Ich bin in einem Einwanderungsprozess.
- Wo sind Ihre Papiere?
- In New York.
(Ich muss an dieser Stelle hinzufuegen, dass ich nach US Gesetz nicht dazu verpflichtet bin, meine Papiere immer bei mir zu haben und normalerweise auch nicht meinen Reisepass fuer einen Inlandsflug vorzeigen muss.)
- Warum waren Sie in Washington?
- Beruflich.
- Arbeiten Sie?
- Ja.
- Aber Sie haben keine Greencard.
- Nein, aber ich habe eine Arbeitsgenehmigung.
- Und wo ist die?
- In New York.
- Haben Sie eine Social Security Number?
- Ja.
- Und wie lautet die?
- Weiss ich nicht.
- Was heisst, weiss ich nicht?
- Ich habe Sie nur einmal benutzt und weiss sie deshalb nicht auswendig.
(Auch hier wieder eine Erklaerung: Da es keinen Personalausweis gibt, ist die Social Security Number die wichtigste Nummer, wenn es um Identifizierung vor dem Gesetz geht und die meisten Amerikaner wissen ihre Nummer auswendig.)
- Ohne ein gueltiges Ausweisdokument koennen wir Sie nicht in das Flugzeug lassen.
- Sie haben hier zwei gueltige Ausweisdokumente (meinen Personalausweis und Fuehrerschein)!
Mittlerweile wurde es spaeter und spaeter und es sah so aus als ob ich meinen Flug nach New York verpassen wuerde. Ich wurde aus zusehens genervter von diesen "Officer" und beschloss, in die Offensive zu gehen.
- Wenn ich meinen Flug nach New York verpasse, werde ich Sie persoenlich dafuer verantwortlich machen. Sagen Sie mir bitte Ihren Namen und Dienstgrad.
Dies schien nun alles zu beschleunigen. Er zeigte mir seinen Dienstausweis und rief ueber Funk einen Kollegen zu Rate. Diesem wurde dann das ganze noch mal erklaert. Ich machte den Kollegen darauf aufmerksam, dass ich nicht dazu verpflichtet bin, meine wertvollen und im Safe aufbewahrten Dokumente bei mir zu haben, und dass ich lediglich beruflich in Washington gewesen sei und es mir nicht leisten koennte, meinen Flug zu verpassen. Mein Personalausweis und mein Fuehrerschein, auch wenn ohne Informationen zu meinem Immigrationsstatus, seien ausreichende Identifikationen, die jeden Zweifel ueber meine Identitaet aus den Weg raeumen koennten und daher gebe es keinen Grund mich nicht in das Flugzeug zu lassen.
Das sah auch der Kollege so.
- Da Sie nicht nach Deutschland zurueckfliegen, gibt es kein Problem. Aber ohne Ihren Reisepass duerfen Sie das Land nicht verlassen!
Als ob ich das nicht gewusst haette. Ich erreichte mein Flugzeug noch in letzter Minute.
Und was lerne ich aus der Geschichte? Das naechste Mal, wenn man mich fragt, woher ich bin, sage ich einfach: "Aus New York."

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