Sunday, January 23, 2005

Doktorspiele am Times Square

Lisas Eltern waren in New York. Kurz zumindest. Lisas Vater hatte eine Aerztekonferenz hier in New York und geplant war, bis Sonntag in der Stadt zu bleiben. Doch dann kam der grosse Wintereinbruch. Es war so kalt, dass unsere Rohre frohren und wir kein fliessendes Wasser hatten - und das genau einen Tag vor einem Vorstellungsgespraech - und der Boden unserer Dusche war gefroren. Ein Eisschicht ersetzte die kleine Pfuetze in der Dusche.
Doch der Kaelteeinbruch war erst der Anfang. Ein Schneesturm kam vom Mittleren Westen Richtung Ostkueste und ueberall brach Panikstimmung aus. Im Supermarkt bildeten sich lange Schlangen, auf allen Fernsehkanaelen kamen Sondermitteilungen zum Schneesturm 2005.
Lisas Eltern beschlossen daher, schnell wieder New York zu verlassen, bevor sie hier "gestrandet" werden. Also, anstelle Sonntagnachmittag gemuetlich nach Detroit zurueck zu fliegen, brachen sie Samstagmorgen in aller Fruehe auf, einen Platz in einem Flieger nach Michigan zu finden.
[Sie hatten Glueck und kamen noch nach Hause. Um 13 Uhr wurden dann alle Flughaefen geschlossen.]
Doch nun gab es ein paar Probleme. Erstes Problem: Das Hotel war schon bezahlt und konnte nicht erstattet werden. Loesung des Problems: Lisa und ich zogen fuer eine Nacht ein (was nicht so schlecht war, da unsere Wohnung ja sowie so noch im Ausnahmezustand war). Zweites Problem: Um einen Teil der Seminarkosten zurueckerstattet zu bekommen, musste Lisas Vater anwesend sein. Da er jedoch nicht mehr anwesend war, musste jemand fuer ihn einspringen und zumindest den Ausweis vorzeigen und sich auf die Teilnahmelisten eintragen. Des Problems Loesung: Ich sollte Doktor spielen.
Theoretisch kein Problem, da es sich um eine riesige Konferenz handelt und niemand den anderen wirklich kennt. Theoretisch kein Problem...
Alle Dokumente und Hinweise liessen Lisas Eltern fuer uns im Zimmer und als wir aus Brooklyn (noch vor dem Schneeeinbruch) am Times Square im W Hotel ankamen, war unser Zimmer schon schoen hergerichtet. Ja, es war sogar so schoen hergerichtet, dass jemand alle Dokumente samt Teilnahmekarte weggeworfen hatten. Also doch keine Doktorspiele.
Der Schnee hatte mittlerweile seinen Weg nach New York gefunden und innerhalb kuerzester Zeit brach auf den Strassen das Chaos aus und alles wurde in eine weisse Staubschicht gehuellt. Schoen anzusehen, aber nicht unbedingt schoen, wenn man unterwegs ist. Wir entschieden uns also, am Times Square zu bleiben.
Die neu gewonnene Zeit wollten wir nun optimal nutzen. Wenn schon so zentral, dann sollten wir uns eine Broadway Show anschauen. Um 15 Uhr oeffnet die TKS Verkaufsstelle, die Tickets fuer Shows am selben Abend fuer den halben Preis verkauft. Es war 14 Uhr 20 und es stuermte immer staerker. Vor der Ticketbude waren lediglich ein paar Dutzend Leute. Lisa wollte sich anstellen, ich jedoch schlug vor, sich erst einmal im Hotel (direkt auf der anderen Strassenseite) auszuwaermen und dann zehn Minuten vor Oeffnung des Verkaufs runter zu gehen. "Wer will schon in der Kaelte warten?"
Die Antwort folgte, als wir wieder unten waren. Ein paar hundert Leute standen in der Kaelte bei immer staerker fallenden Schnee. Also keine Broadway Show... (OK, Lisa, ich gebe zu, es war meine Schuld, aber ich bin wirklich nicht fuer die Kaelte gemacht!)
Statt Broadway sollte es nun Kino sein. Wir wollten in die Spaetvorstellung von Sideways gehen. Da das Kino nur ein paar Blocks entfernt war, spazierten wir vor unserem Abendessen (gesponsert von Lisas Eltern, danke an dieser Stelle) zum Kino, um schon mal die Tickets zu kaufen. Pustekuchen, oder besser Schneesturm. Alle Spaetvorstellungen wurden abgesagt. Also kein Kino.
Ja, es war halt so ein Tag an dem einfach alles nicht so klappt wie man will, aber zum Glueck haben wir einander, und dann wird jedes Chaos ein wunderbarer Moment.

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